workation Diary

#51 NEW YORK!!!

Stop-over in Washington D.C.

Was echt gut hilft, um nicht in Nostalgie und Abschiedsschmerz zu versinken, wenn ein besonderes Highlight gerade zu Ende gegangen ist: Das nächste Highlight direkt danach!
Das macht uns die Abreise aus der Karibik wirklich leichter – haben wir doch bei unserem Segeltrip gerade zwei unglaubliche Wochen voller Naturparadies und Hollywood Feeling erlebt.

Auch nehmen wir gerne ein paar Unannehmlichkeiten in Kauf, wenn wir wissen, dass danach was richtig richtig Cooles folgt. So schlagen wir uns beim Stop-over in Washington D.C. den Großteil der Nacht am Flughafen um die Ohren.

Für eine Hotelübernachtung reicht die Zeit nicht. So versuchen wir im improvisierten Nachtlager auf dem Boden trotz Geräuschkulisse und voller Beleuchtung wenigstens ein paar Augenblicke Nachtruhe zu ergattern. Oder besser: ein bisschen gefühlte Privatsphäre. Erholungsfaktor in dieser Nacht: 3/10 …

Ein Wink zum US-Kongress

Draußen ist es noch finstere Nacht, als wir uns vollkommen übernächtigt morgens halb sechs zu unserem Gate für den Anschlussflug schleppen. Ich fühle mich genau so, wie man sich das nach so einer Nacht vorstellt. Zombie-Modus ist angesagt.

Kaum ist der riesige – und sowas von nötige – Cappuccino von Dunkin’ ausgetrunken, gibt die aufgegangene Sonne uns zum ersten Mal den Blick nach draußen frei. Und dann das: Unser erster Blick landet direkt auf dem Capitol, dem weißen Gebäude mit Sitz vom US-Konkress!!!

Kraaass, genau da, wo wir sitzen, das gibt’s doch nicht!!! Von jedem anderen Gate aus hätten wir es nicht gesehen. Ausgerechnet! An die Fensterscheibe gelehnt, um ein einigermaßen erkennbares Foto mit 20-fach Zoom hinzukriegen, erkennen wir weiter links dann auch noch das Washington Monument, den riesigen Obelisken. Wahnsinn 😳.

Eine Sightseeing Tour zu den Highlights der Stadt, einfach so beim Warten auf unser Boarding. Die ungemütliche Nacht zuvor ist total vergessen. Und wieder einmal bestätigt sich: Auf einen Downer folgt danach ein richtiger Knaller. Hach, ich liebe das Reisen. 

Men in black

Unser Flug geht an einem Mittwochmorgen von Washington D.C. nach New York City. In der vorderen Hälfte des Fliegers sehen wir so viele Herren in Anzügen, wie in den letzten acht Monaten zusammen nicht. Es ist ein Arbeitstag. Hier wird Business gemacht. Die Handgepäckskoffer in den Overhead Compartments sehen alle gleich aus. Nur die Codes der integrierten Zahlenschlösser unterscheiden sich.
Laptops sind aufgeklappt, es wird Tageszeitung (aus Papier 😳) gelesen, sich über den Gang mit dem Sitznachbarn über Wichtiges unterhalten. Welcome to the first world! Welch scharfer Kontrast zu unseren bisherigen Flügen durch Lateinamerika.

3, 2, 1: NEW YORK!!!

Udo und ich sitzen getrennt: Wir haben jeweils einen Fensterplatz auf jeder Seite gebucht, damit wir sowohl beim Abflug auf Washington sowie beim Anflug auf New York die besten Chancen auf einen guten Blick und tolle Fotos haben. In meinem Kopf ist das Panoramabild von der New Yorker Skyline im Sonnenschein bereits geknipst und hängt in unserer zukünftigen Wohnung in der Küche… 

Und dann ist es endlich so weit: Der Flieger neigt sich zum Anflug, jippiiiieeehh!!!! Die Spannung steigt…

Uuuuuuunnnd wie Sie sehen, sehen Sie nichts.

Von wegen Skyline.

Die Aussicht: Eine dicke graue Wolkensuppe. Man erkennt mal gar nichts. Na toll. Beim Blick rüber zu Udo durchs andere Fenster dasselbe Spiel. Udo merkt nicht mal, dass wir gleich landen und ist ganz in sein Handy vertieft. Seinen Fotografie-Auftrag bei der Landung hätte er mal glatt verpasst. Egal, es gibt eh nichts zu sehen. Der erste Eindruck von New York: mau 🫤

Tag 1 – Zweite Chance für den ersten Eindruck

Wir nehmen die Ubahn zu unserem AirBnB in Midtown West, Manhattan. Zumindest das ist ein bisschen cool – die berühmte MTA New Yorker Subway ist an sich ja schon mal so etwas wie eine Sehenswürdigkeit. 

Mit müden Knochen schleppe ich mein Gepäck und mich hinter Udo die Treppen hoch. Die Erwartung auf eine feucht kühle Nebelwolke draußen lässt meine Lebensgeister nicht gerade zu Höchstform auflaufen. 

Dafür dann aber das hier: Wir kommen aus dem Untergrund und landen plötzlich in einer völlig anderen Welt! Knallblauer Himmel, strahlende Sonne, Wolken wie weggezaubert. Ich blicke mich einmal um und sehe sofort das Empire State Building am Ende der Straße! Ein Flugzeug fliegt direkt über uns und spiegelt sich in den verglasten mega Towern um uns herum, die bis weit in den Himmel reichen. 

OH MEIN GOTT!!! DAS IST NEW YORK!!! Wow. 

Schnell will ich ein paar Fotos knipsen, falls die Sonne gleich wieder verschwinden sollte. Und gerade glitzert alles so schön in dem Licht!!! Und geht nicht auf’s Bild!!! So riesig ist das alles hier, wie soll man denn da fotografieren?!

Welcome Home

Wir beziehen unser AirBnB nahe der Penn Station und ich schätze in diesem Moment unsere Flexibilität und Genügsamkeit nach acht Monaten Reise und über 80 verschiedenen Unterkünften – von 0 bis 5 Sternen nach persönlicher Einschätzung.

Das Zimmer ist klein und ist mit einem Bett, einem Minischrank, kleinem Beistelltisch und zwei Nachttischchen komplett voll. Wir sind froh, dass wir mit unserem Gepäck ganz reinpassen. Die Fenster sind zur Straße raus mit typischer New Yorker Geräuschkulisse. Küche und Bäder in dem Mehrzimmer-Apartment teilen wir uns mit anderen Gästen.

Für uns ist das hier und jetzt völlig ausreichend. Wir hatten es schon „schlechter“. Wäre ich allerdings direkt aus Deutschland angereist, wäre mein Eindruck wahrscheinlich anders ausgefallen. Bei 160 US Dollar pro Nacht – und damit fünf bis zehnmal so teuer wie die meisten Übernachtungen in Lateinamerika – hätte ich mir vermutlich ein paar mehr Annehmlichkeiten versprochen. Jetzt freuen wir uns, dass wir mitten in Manhattan ein wahres Schnäppchen gemacht haben und so zentral sind. Wir haben eh nicht vor, uns lange hier im Zimmer aufzuhalten.

Als erstes muss mal was zu essen her. Im nächstgelegenen Deli landen wir direkt einen Volltreffer: Frisch zubereitete Bagel mit allen möglichen Belägen. Wir entscheiden uns für Cream Cheese and Tomatoes. Wurde ich in Miami Beach bei Subway noch schräg angeschaut und meine Frage nach Frischkäse mit einem irritierten „green cheese???“ beantwortet, machen sie hier vom leckeren cream cheese reichlich drauf auf den warmen, leicht krossen Bagel. Mhhh. Zusammen mit einem großen Kaffee soll das nun unser tägliches Frühstück für die kommende Woche sein. Welch schönes erstes New York Ritual ☺️

(Spoiler: 10 Tage später zurück in Bremen kommt Udo morgens mit zwei großen Bechern und belegten Brötchen vom Bäcker wieder: “in New York war’s günstiger”, meint er mit einem schiefen Grinsen, als er mir meinen Kaffee in die Hand drückt.)

Sights and Seeing

Sofort will ich weiter und möglichst alles in mir aufsaugen. Es gibt soooo viel zu sehen!!! Wir laufen an Macy‘s, einem der größten Warenhäuser der Welt, entlang und mir fällt auf, dass ich mich in meinem Travel-Hippie Outfit doch ein bisschen underdressed für den Big Apple fühle. Die übriggebliebene Garderobe ist inzwischen doch ziemlich überschaubar. Naja, Shopping kommt ja noch. Jetzt erstmal ein bisschen was sehen. 

Wir laufen die berühmte Park Avenue entlang – die interessanterweise nicht direkt am Central Park liegt –, kreuzen bekannte Wege wie den Broadway und die 5th Avenue, bestaunen das massive Chrysler Building, besuchen das imposante Gebäude der New York Public Library, machen einen Abstecher zum Bryant Park und lauschen vertrauter Swing Musik, die dort live gespielt wird.

Schließlich besuchen wir den historischen Grand Central Terminal, der mit 67 Gleisen und 44 Bahnsteigen der Bahnhof mit den meisten Gleisen der Welt ist.

Und was findet sich in so einem historisch bedeutsamen Gebäude mitten in Manhattan? Natürlich ein riesiger Apple Store 😅 Udo ist ganz entzückt und begutachtet interessiert die zahlreichen Regale. 

Während ich gedanklich mal wieder in einer Zeitreise unterwegs bin und mir vorstelle, wie es wohl vor 100 Jahren in dieser Bahnhofshalle zuging und wer hier schon alles einmal angekommen oder abgefahren ist, hat Udo derweil mal einen Termin klargemacht: “Hast du auch Lust, die Apple Vision Pro mal auszuprobieren? Dann machen wir für dich gleich einen Termin mit”, heißt es. Weder ist mir klar, was eine Apple Vision Pro ist, noch verstehe ich, warum wir dafür jeder einen extra Termin brauchen. Aber klar, als Partnerin eines IT-lers habe ich natürlich auch “Lust” darauf 🤪 Geritzt. In anderthalb Stunden sollen wir wieder hier sein. 

Genug Zeit für unser erstes (von seeehr vielen folgenden) 1$ Pizza Stücken, die es überall in Manhattan gibt – und die wirklich sehr lecker sind. Ein typischer Fall von: leider geil 😇 Mit Pizza in der Hand schlendern wir noch ein bisschen rum und lassen die vielen Eindrücke am trubeligen Times Square auf uns wirken. Zwischendurch kommt immer mal so ein Gedanke wie: Wir stehen gerade mitten am Times Square in New York! Und noch krasser: Es fühlt sich völlig normal an. Und so gut.  

Eine meiner Freundinnen, die mit einem Amerikaner verheiratet ist und sogar in New York geheiratet hat, fragt kurz und knapp: ”Und?” Meine Antwort: “I’m in love!” Sie: “I told you!” – ja, schockverlieben geht. Das ist mir wohl in New York passiert. Schon am ersten Tag.

Ein Blick in die Zukunft

Zurück im Apple Store werden wir herzlich von zwei Mitarbeitern empfangen, die sich richtig zu freuen scheinen, dass wir da sind. Langsam schnalle ich auch, zu was ich hier Ja gesagt habe: eine persönliche Einführung in das neueste Modell der Apple Vision Pro, ein XR-Headset, das zu diesem Zeitpunkt nur in Amerika erhältlich ist. 

In meinen Laien-Worten: eine voll krasse Computer-Brille, die man über Blickrichtung, Zwinkern und verschiedenen Gesten mit den Händen steuern kann. Man hat quasi einen kompletten Computer auf der Nase sitzen! Ich kann zum Beispiel verschiedene Browser-Fenster öffnen und an verschiedenen Plätzen im Raum verankern. Wenn ich nach links gucke, ist da mein Kalender, rechts ist mein Emailprogramm und vorne kann ich an einem neuen Blogartikel schreiben. Eine von unzähligen Anwendungsmöglichkeiten. 

Besonders beeindrucken mich die “Introduction” Videos von Apple selbst. Einmal befinde ich mich im Raum mit Alicia Keys und habe das Gefühl ihr am Piano direkt gegenüberzustehen. Im 360 Grad Blick befinde ich mich mit ihr im Tonstudio. Nur, dass ich nach vorne in die Luft greife anstatt ans Piano, erinnert mich daran, dass ich im Apple Store im Bahnhof sitze und nicht bei Alicia Keys. 

Auch Tieraufnahmen wirken unglaublich realistisch – und da haben wir reichlich Vergleichsmaterial aus dem echten Leben der letzten Monaten. Einmal besuche ich virtuell eine Gruppe von Nashörnern in Afrika. Sie sehen so echt aus, dass ich zurückschrecke, um nicht zu nah ans Horn zu kommen. 

Es ist wirklich beeindruckend. Die begeisterte Einführung des Apple-Mitarbeiters steckt mich voll an: “Isn’t that amazing, Anna? You will absolutely love what I’m gonna show you next…”.

Udo ist noch sichtbar abgetaucht in seiner virtuellen Welt, als mein Termin nach einer guten Stunde zu Ende ist.

Wer hätte gedacht, dass ich so cool finde, so etwas einmal auszuprobieren.

Die echte Welt ist mir zwar allemal lieber, aber den Reiz, den diese Technik ausmacht, kann ich echt nachvollziehen. Vor allem die hohe Qualität und die intensive Wirkung der Eindrücke ist bemerkenswert.

Definitiv jetzt schon ein Highlight unseres New York Besuchs. Welch Glück, dass ich mit Udo zusammen (hier) bin 🥰

Tag 2 – Financial District, Staten Island, Brooklyn

Nach frischem Bagel und großem Kaffee ziehen wir umgehend los zur großen Sightseeing Tour. Auf Google Maps reiht sich ein grünes Fähnchen der “Wunschziele” ans andere und wartet darauf in ein blaues “gewesen” verwandelt zu werden. Keine andere Destination auf unserer Reise ist vorab so akribisch durchgeplant worden. Aber nirgends sonst hatte ich auch so viele Plätze im Kopf, die ich unbedingt sehen möchte – schließlich warte ich schon 20 Jahre darauf.

Los geht’s zum Financial District, dort liegen praktischerweise viele Sehenswürdigkeiten beieinander. Schnell sind wir am Ground Zero, der Gedenkstätte der zwei Türme des World Trade Centers. Eine ganz spezielle Energie geht von diesem Ort aus. Ringsum sind die Namen der Opfer in die Gedenkstätte eingraviert, die die Umrisse der ehemaligen Gebäude darstellt. Es sind unzählbar viele Namen. In vereinzelten Namen steckt eine frische weiße Rose. Wir lesen nach, dass diese Personen heute Geburtstag gehabt hätten.
Unglaublich erscheint mir auch, wie nah die anderen Gebäude stehen. Wir befinden uns buchstäblich im Herzen des Financial Districts, dem Stadtteil mit den meisten Wolkenkratzern, die man immer im Fernsehen sieht. Alle dicht an dicht.

Heute gibt es das One World Trade Center als höchstes Gebäude der Stadt mit 1776 Fuß Höhe (541,3 Meter) in Anlehnung an das Jahr 1776 der amerikanischen Unabhängigkeit. Wenn man hochschaut, sieht man das Ende des Gebäudes nicht so richtig. Es scheint direkt in den Himmel über zu gehen.

Wir besuchen als nächstes das Federal Hall National Memorial, das erste Kapitolgebäude der Vereinigten Staaten von Amerika. Nachdem die amerikanische Verfassung 1789 in Kraft getreten war, war die Federal Hall seit dem 4. März 1789 Sitzungsort des US-Kongresses. Der Kongress zählte dort die Stimmen zur Wahl George Washingtons aus, der hier seinen Amtseid als erster Präsident der USA ableistete. Bei Inkrafttreten der US-Verfassung und dem Start der neuen Regierung im Jahr 1789 bestand die Union aus 13 ursprünglichen Staaten. Diese gingen aus den dreizehn britischen Kolonien hervor, die 1776 ihre Unabhängigkeit erklärten.  

Damals, im 18. Jahrhundert, war die Federal Hall eines der imposantesten Gebäude und überragte höhenmäßig die allermeisten anderen Bauten. Heute, im 21. Jahrhundert, wirkt das Federal Hall Gebäude eher wie ein Puppenhäuschen inmitten der riesigen Skyscraper. 

Nur einmal auf den Fersen gedreht befinden wir uns auch schon vor dem nächsten Highlight, das wir uns auf keinen Fall entgehen lassen wollen: Die Wall Street und die New Yorker Börse. 

Ähnlich wie bei der Federal Hall zuvor treten weder das Gebäude, noch die berühmte Straße optisch besonders in den Vordergrund. Dennoch merkt man auch hier, dass man sich an einem besonderen Ort befindet. Es geht eine gewisse Wichtigkeit davon aus. 

Die New York Stock Exchange (NYSE) ist die größte Wertpapierbörse der Welt und ist selbst unter dem Namen „Wall Street“ bekannt, obwohl dies eigentlich nur der Name der Straße ist, an der sie liegt. Aktuell sind 2385 Unternehmen an der New York Stock Exchange gelistet. 

Und noch etwas findet hier bei mir und etlichen anderen Touristen besondere Aufmerksamkeit: Das Fearless Girl (Furchtloses Mädchen). Als 1,30 Meter große Bronze-Statue nimmt das kleine Mädchen mit Händen in die Hüften gestemmt seinen Gegenüber selbstbewusst in den Blick. Die Statue sollte anlässlich des Internationalen Frauentages 2017 auf den Missstand aufmerksam machen, dass in den Vorständen vieler Firmen nach wie vor nur ein sehr geringer Frauenanteil in Führungspositionen ist. Als Unerschrockenheit und Zuversicht in Gestalt eines furchtlosen Mädchens wurde diese Statue direkt gegenüber der NYSE aufgestellt. Dieses Bild zieht mich besonders in den Bann und ich kann (noch) gar nicht erklären, warum ich genau hier eine so intensive Anziehung spüre.

Ein paar Straßen weiter, und gar nicht vor der Börse, wie ich dachte, finden wir den Charging Bull. Die Statue wiegt über drei Tonnen, ist etwa dreieinhalb Meter hoch und sechs Meter lang. Der Bulle ist am Kapitalmarkt ein Symbol für finanziellen Optimismus und Erfolg. Die Statue wird als Wall-Street-Erkennungsmerkmal angesehen und ist ein beliebtes Touristenziel. Auch wir reihen uns in die lange Schlange ein, um gefühlte zwei Sekunden Zeit für ein Foto mit direktem Blick auf den Bullen zu bekommen. Mega imposant, man spürt förmlich die Kraft, die von ihm ausgeht.

Unser straffes Erlebnis-Programm führt uns weiter in Richtung Hudson River. Es ist so richtig schön frühlingshaft in der Stadt. Überall blüht es bunt viel frisches Grün ist in den Straßen zu finden.

Wir wollen die kostenlose Staten Island Ferry nehmen, um rüber nach Staten Island zum – laut Internet – leckersten New York Cheese Cake der Stadt zu fahren. Und: Die Fähre hat auch noch einen besonders schönen Weg, an der Freiheitsstatue vorbei. Die Statue of Liberty ist mein Lieblingswahrzeichen der Stadt. So cool, sie in Wirklichkeit zu sehen. Was muss das für ein Gefühl gewesen sein, wenn man als Auswanderer vor über 100 Jahren nach langer Schiffsreise endlich diese Statue erblicken konnte…

Auch die Aussicht auf die Skyline von Manhattan im Sonnenlicht, das Bild, das ich mir gewünscht hatte, ist von der Fähre aus fantastisch. Wie schön alles aussieht, wie in einem großen Bildband.

Bei “New York City” haben die meisten wohl als erstes Manhattan im Kopf. Dieser Bezirk ist auch das Herzstück der Stadt und hat die meisten typischen Sehenswürdigkeiten. Aber ebenso gehören Brooklyn, Queens, die Bronx und eben Staten Island dazu. Jeder Bezirk hat seine einzigartige Kultur und Geschichte. Die Bezirke sind durch Brücken, Tunnel und Fähren verbunden. Sie wurden 1898 offiziell zur heutigen Stadt New York City vereint, nachdem sie zuvor unabhängige Städte und Gemeinden waren. 

In Staten Island angekommen Ein klein wenig Ernüchterung folgt dann in Staten Island selbst. mit seinem angekündigten historischen Flair sagt uns aber so gar nicht zu. Von der mitreißenden powervollen Energie Manhattans ist hier so gar nicht zu spüren. Es fühlt sich wie eingeschlafene Füße an. Hallo, ist hier noch jemand? Alles wirkt irgendwie verschlafen und verlassen. Auf der Suche nach dem anvisierten Cheese Cake führt uns die Google Maps Empfehlung in einen Pub, in dem wir die einzigen Gäste sind und wo es sich am Vormittag irgendwie falsch anfühlt zu sein. Es riecht nach Pub, und wenn man nicht die Absicht hat hier ein Bier nach dem anderen zu trinken, scheint es nicht der richtige Ort zu sein. 

Da es umliegend auf die Schnelle nicht anders zu sein scheint, machen wir kurzerhand eine Kehrtwende und fahren wieder zurück nach Manhattan.

Fieser Beigeschmack

Trotz der Pleite in Staten Island tropft uns immer noch der Zahn in Sachen Cheese Cake. Der muss jetzt irgendwie her, egal von wo. Zwischen Fähranleger und Pier 17 finden wir ein kleines Café und bestellen sogleich das Gewünschte.

Uns durchfährt regelrecht ein körperlicher Schmerz, als wir sehen, dass die zwei einzelnen Stücke in jeweils einer eigenen Einmalplastikverpackung in Kuchenstückform serviert werden sollen. Unsere Einwände, dass wir ja vor Ort essen wollen, bleiben unberücksichtigt. Das seien die Vorgaben vom Chef. Nichts zu machen.

Nachdem wir in ALLEN Ländern miterlebt haben, welch verheerende Folgen die gigantischen Massen an (Einmal-)Plastikmüll für Natur, Tiere und Menschen verursachen, bleibt die Freude über unseren original New York Cheese Cake getrübt. Es wird der letzte bleiben, den wir in der Stadt essen.

Brooklyn – das entspanntere Manhattan

In schönster Sonne bewegen wir uns weiter Richtung der berühmten Brooklyn Bridge. Ich bin so gespannt die Brücke und das Viertel zu sehen! Die Brücke ist schonmal mega eindrucksvoll und wir schießen sooo viele Fotos!!!

Und kaum betreten wir nach gut 1800 Metern wieder Festland, fühle ich mich sofort wohl und vertraut. Der bevölkerungsreichste Stadtteil New Yorks empfängt uns mit entspannter Atmosphäre, urigen Vorstadthäuschen und gaaanz viel Grün. Die Straßen laufen hier natürlicher, nicht gitternetzartig wie in Manhattan.

Sofort denke ich: Würde ich in New York leben, wäre Brookly mein Stadtteil. Wir sehen Leute Pickle Ball spielen (eine Mischung aus Tennis, Badminton und Tischtennis), im Brooklyn Bridge Park auf der grünen Wiese chillen und am Wasser mit Blick auf die Manhattan Skyline entlang joggen. Es macht hier alles so einen natürlichen und vertrauten Eindruck und erinnert mich an meine Studienzeit in München, in der wir so oft zwischen den Vorlesungen das satte Grün des Englischen Gartens genossen haben. Entspannt, leicht, und gleichzeitig inmitten des Trubels und der ambitionierten Ansprüche des Alltags.

Wir genießen den fantastischen Sonnenuntergang mit Blick auf die Skyline und empfinden in diesem Moment die einzigartige Energie dieser Stadt, die seit über 200 Jahren viele Millionen Menschen aus der ganzen Welt in ihren Bann zieht. 

Auf dem Rückweg entdecken wir sogar Straßenlaternen, die denen aus dem 19. Jahrhundert ähneln und für eine historische Atmosphäre sorgen. Sie sind mit Gas betrieben und flackern mit echtem Feuer. Welch kontrastreiche Erscheinung im sonst so modernen Stadtbild. 

Asia in New York

Den Abschluss unseres wieder prall gefüllten Tages bilden ein Bummel durch Chinatown und ein super leckeres Abendessen im Thai Son Restaurant – auch wieder so bizarr, plötzlich umgeben zu sein von einer authentisch asiatischen Atmosphäre, den Bildern, Gerüchen, und Klängen; das Restaurant könnte sich ebenso gut in Bangkok befinden.


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